Das Gesetz der Nähe hat Max Wertheimer 1923 benannt, auf Deutsch. Wer in dieser Sprache liest, bekommt das Fach mit fertigem Wortschatz geliefert: Nähe, Ähnlichkeit, Prägnanz, geschlossene Form. Geschenkt ist das Wort. Die Zahl dahinter nie.
Ein Gesetz steht vor den anderen, und das ist die brauchbare Hälfte: Nähe schlägt Ähnlichkeit. Zwei gleiche Kreise, weit auseinander, lesen sich als zwei Dinge; zwei verschiedene Formen dicht beieinander als eines. Wo beides gegeneinander steht, gewinnt der Abstand. Deshalb ist der Abstand die erste Zahl auf einem Blatt und die Farbe die letzte.
Rieke Sandmann setzt die Preistafel einer Bäckerei in der Kieler Holtenauer Straße neu: zwei Tafeln hinter der Theke, jede 600 mal 900 Millimeter, gelesen aus drei Metern von jemandem, der in der Schlange einen Preis sucht. Auf der alten steht alles im selben Abstand, 42 Zeilen und kein Block, und wer ein Brötchen sucht, liest 42 Zeilen.
Die Tafel ist nicht hässlich, sie ist unsortiert, und das ist ein anderer Fehler mit einer anderen Reparatur.
Sechs Fächer, zwei Fragen
Alles unter diesem Thema ist eine von zwei Fragen in einem anderen Maßstab. Wie weit auseinander: Komposition, Raster, und die Hälfte der Typografie, die aus Abständen besteht. Wie verschieden: Hierarchie, Farbe, und die Hälfte, die eine Schrift auswählt. Das sechste Fach ist keine dritte Frage, sondern die Art, die beiden ersten genau zu beantworten.
Der Nutzen zeigt sich, sobald etwas nicht stimmt und niemand sagen kann, was: es bleiben zwei Züge, einen Abstand ändern oder einen Unterschied. Die sechs Fächer unter Design sind diese zwei Züge in sechs Maßstäben.
Innen verliert, außen gewinnt
Gruppieren ist Rechnen, und die Rechnung ist eine Zeile: Der Abstand innerhalb einer Gruppe muss sichtbar kleiner sein als der um sie herum, und sichtbar heißt mindestens das Doppelte.
Auf Riekes Tafel liegen vier Ebenen übereinander. Gewicht und Mehltype stehen 5 mm unter dem Brotnamen, so dicht, dass beides ein Eintrag ist. Dann gilt: Eintrag zu Eintrag 10 mm, Gruppe zu Gruppe 30 mm. Der eine Schritt trennt das Roggenmischbrot von der Dinkelkruste, der andere die Brote vom Kleingebäck. Zwischen den Tafeln liegen 60 mm nackte Wand.
Die Arbeit macht der Schritt von 10 auf 30: darunter sagt das Auge, das gehört zusammen, darüber das Gegenteil. Wird das Verhältnis verfehlt, repariert es keine Palette, weil Farbe nicht behaupten kann, dass zwei Zeilen ein Gegenstand sind.
Der billige Unterschied: zwei Eigenschaften statt einer
Anfänger geben den Unterschied in einer einzigen Eigenschaft aus. Damit die Warengruppe über ihren Zeilen steht, wird sie von 28 auf 60 Punkt vergrößert, und danach ist sie vom Nachbarhaus aus zu lesen und die Liste darunter hat ein Drittel ihrer Höhe verloren.
Billiger geht es so: zwei Eigenschaften auf einmal ändern statt eine um sehr viel. Von 28 auf 36 Punkt, dazu von mager auf halbfett, und die Warengruppe ist unverwechselbar, ohne dass die Tafel etwas abgibt.
Ob ein Unterschied trägt, ist in vier Sekunden zu prüfen. Fotografieren Sie die Arbeit und sehen Sie das Bild in Daumennagelgröße an. Was dort in Blöcke zerfällt, zerfällt auch aus drei Metern; was verschwindet, war kein Unterschied, sondern eine Farbe.
Das Verhältnis, das Sie schon halten
Schriftgrade kommen aus einer multiplizierten Zahl, und welche Zahl das ist, entscheidet der Leseabstand. Für eine Seite in der Hand genügt 1,2; für eine Tafel aus drei Metern braucht es mehr, und das größere Verhältnis liegt hier auf jedem Schreibtisch.
Die A-Reihe ist ein Verhältnis, und es ist 1,414: Ein gefaltetes A4-Blatt ergibt A5 mit derselben Proportion, weil die lange Seite zur kurzen wie die Wurzel aus zwei steht. Nehmen Sie diese Zahl als Schriftmaßstab. Aus 16 werden 23, 32, 45 und 64, auf ganze Punkte gerundet, und dabei gilt: jede zweite Stufe ist das Doppelte, 16 und 32, 32 und 64, genau wie A4 und A2. Fortsetzen lässt sich das, wenn die Datei längst zu ist.
Der Durchschuss läuft der Größe entgegen. Der Durchschuss wird enger, je größer die Schrift wird: 16 Punkt sitzen auf 24, die Hälfte mehr, die 64 Punkt der Warengruppe auf 66. Eine Zeile aus einem Wort braucht keine Luft unter sich, und die automatische Einstellung gibt ihr 77.
Dazu eine Arithmetik, die fast jeder überspringt: Die optische Mitte liegt über der geometrischen. Der nach Maß mittig gesetzte Name einer Warengruppe rutscht nach unten weg; um ein Vierzigstel der Bandhöhe angehoben, hier 22 Millimeter, steht er.
Zwei Kanten links, und die Ziffern
Die alte Tafel hat neun verschiedene linke Kanten, eine für jede Zeile, die in vier Jahren ungefähr an ihren Platz geschoben wurde, und neun Anfänge lesen sich als neun Zettel nebeneinander. Zählen Sie die verschiedenen linken Kanten. Die neue Tafel hat zwei, eine für die Namen und eine für die Preise.
Die Preisspalte hat eine Einstellung, die kein Kursabend erwähnt. Die meisten Schriften liefern proportionale Ziffern aus, die Eins schmaler als die Acht, und dann wackelt eine Spalte selbst rechtsbündig. Schalten Sie Tabellenziffern ein; in InDesign stehen sie im OpenType-Menü, in Figma bei den erweiterten Schrifteinstellungen. Und das Eurozeichen steht hinter der Zahl, mit einem Leerzeichen davor: 12,40 €. Eine Vorlage aus dem Englischen setzt es davor.
Die Wörter sind geschenkt, die Zahlen nicht
Hier hören Leute auf, besser zu werden, und merken es nicht. Der Wortschatz kommt früh: Hierarchie, Weißraum, Kontrast, Gleichgewicht. Hierarchie und Weißraum lassen sich als Adjektiv gebrauchen, und wer zwei Wochen dabei ist, wendet sie auf fertige Arbeiten an und klingt richtig.
Was danach fast niemand tut, ist messen. Der Beleg ist heute Nachmittag zu führen: Sie können sagen, ein Layout wirke unruhig, und nicht sagen, welche Zahl darin falsch ist. Die Stelle liegt hier tiefer, weil die Gestaltgesetze im Kunstunterricht stehen und die Begriffe deutsch sind: der Wortschatz fühlt sich nach Können an.
Die Kur ist die eine Übung, deren Ergebnis eine Gewohnheit ist und keine Zahl. Bauen Sie eine gute Arbeit in Originalgröße nach und messen Sie die Unterschiede: deren Abstand unter der Überschrift beträgt 12 Millimeter, Ihrer 20. Drei solche Vergleiche, und die Adjektive hören auf, Adjektive zu sein.
Die Reihenfolge
Die Farbe steht hinten, weil sie am wenigsten rettet
Jede Station repariert weniger von der vorigen Seite als die davor, also ist der billigste Fehler der, den Sie am weitesten hinten machen.
- zuerst, und am billigstenAbstandGruppieren, Ausrichten, und die Lücken, die aus Zeilen eine Gruppe machen01
- 02als zweitesUnterschiedZwei Eigenschaften auf einmal, geprüft am Daumennagel
- läuft ab hier mitDas NachmessenEine gute Arbeit in Originalgröße nachbauen und die Abweichungen aufschreiben03
- 04als drittesSchriftWo der meiste vermeintliche Layoutfehler in Wahrheit sitzt
- zuletztFarbeAuf ein Blatt gelegt, das auch ohne sie funktioniert05
Keine Daten und keine Dauern, weil nichts davon ein Zeitplan ist. Behauptet wird allein die Reihenfolge: Eine Station, die zu früh genommen wird, ist nicht früh, sie ist gegen nichts genommen.
Die Reihenfolge, die der Kunstunterricht umdreht
Der hiesige Weg beginnt am falschen Ende, aus einem guten Grund: Der Kunstunterricht liefert den Farbkreis. Johannes Itten hat ihn am Bauhaus in Weimar unterrichtet, er steht in jedem Schulheft, und er ist das Einzige aus diesem Fach, das ein Erwachsener sicher zeichnen kann. Dort anzufangen heißt, die letzte Stufe zuerst zu nehmen.
Rückwärts scheitert die Liste an erkennbaren Stellen. Hierarchie vor Abstand ergibt das Blatt, auf dem alles größer wird: Größe ist das einzige Werkzeug im Kasten, jede wichtige Zeile ist groß, und nichts Leises bleibt übrig, gegen das etwas laut sein könnte.
Die zweite Umkehrung ist die hiesige: die Norm zuerst. Wer bei DIN anfängt, hat für den Briefbogen recht und für die Tafel in Kiel nichts, weil für eine Preistafel keine Norm existiert. Wer nur nachschlagen gelernt hat, hält den Rest für Geschmack.
Drei Werkzeuge, und eine deutsche Rechnung
Figma hat 2019 den Platz von Sketch übernommen, und der kostenlose Tarif deckt jede Messung auf dieser Seite ab. Das Zeichnen ist hier nicht der Punkt: Objekt auswählen, Alt-Taste halten, über ein zweites fahren, und der Abstand steht in Pixeln auf dem Bild. Zehn Minuten davon an einer Arbeit, die Sie bewundern, setzen die Gewohnheit von oben in Gang. Der Kontrastrechner von WebAIM ist das zweite kostenlose Stück: zwei Farben hinein, ihr Verhältnis heraus.
An der Schrift hängt hier eine Rechnung, die auf keiner englischen Seite steht. Google Fonts ist seit 2010 kostenlos und hat die Lizenz pro Projekt abgelöst. Wer die Dateien dynamisch von fremden Servern nachlädt, übergibt die Adresse jedes Besuchers in die Vereinigten Staaten, und das Landgericht München I hat dafür im Januar 2022 unter dem Aktenzeichen 3 O 17493/20 Schadenersatz von 100 € zugesprochen. Frei lizenziert bleiben die Schriften; hier werden sie heruntergeladen und selbst ausgeliefert.
Wo Sie hineingehen
Der kürzeste Weg zu etwas Messbarem führt über die Abstände, und die liegen in zwei Fächern nebeneinander: Komposition ist die Anordnung auf einem Blatt, Raster und Layout dieselbe Entscheidung, einmal getroffen und wiederverwendet.
Danach der Unterschied. Hierarchie fragt, aus wie vielen Eigenschaften er gebaut ist, Farbe stellt dieselbe Frage in der Eigenschaft, die zuerst versagt: in der Kopie, im Gegenlicht, auf einem Telefon in der Sonne. Typografie steht quer zu beiden, und auf Riekes Tafel war die fehlende Entscheidung eine typografische. Sehen ist die Art, beide genau zu beantworten.
Offen bleibt, wofür die Arbeit gemacht wird, denn danach teilen sich die Zahlen. Einmal gedruckt und an eine Wand gehängt heißt Grafikdesign, mit Beschnitt und einer Druckerei dazu; jedes Mal neu gezeichnet, in einer Breite, die Sie nicht gewählt haben, heißt UI-Design. Keines von beiden fragt, ob die Sache gebraucht wird. Das tut UX-Design, und dorthin gehört die Frage, für wen die Tafel in Kiel eigentlich hängt.