Zwei Dinge, die im Japanischen als schwer gelten, sind für eine deutsche Leserschaft vorbereitet, und ausgerechnet das zweite davon wird dadurch zur Falle. Das Verb am Satzende ist ein deutscher Nebensatz. Die Höflichkeit als grammatische Achse ist Sie und du. Nur ist sie hier keine Entscheidung, die einmal getroffen wird.
Nadine Erkert konstruiert Werkzeugmaschinen bei einem Hersteller in Göppingen und arbeitet mit einem Partnerwerk in Nagoya. Sie hat zwei Jahre Unterricht, liest technische Zeichnungen mit Beschriftung und wird höflich behandelt. Beim Kundentermin macht sie einen Fehler, der ihr niemals auffallen würde, weil er im Deutschen genau die richtige Höflichkeit wäre.
Das Verb steht hinten, wie im Nebensatz
das Verb steht am Ende, in jedem japanischen Satz, und das ist die Wortstellung, die im Deutschen jeder Nebensatz hat. »Obwohl der Zug pünktlich abgefahren ist« hält das Verb genauso lange offen, und eine deutsche Leserschaft hört solche Sätze täglich, ohne sie für ungewöhnlich zu halten.
Was daraus folgt, ist ein Zuhörverhalten und keine Regel: bis zum Ende warten, statt nach den ersten Wörtern zu schließen. Wer das aus dem Deutschen mitbringt, spart die sechs Monate, die eine englischsprachige Klasse dafür braucht. Der Rest der Satzlehre steht unter Japanische Grammatik.
Das Vorfeld und die Themenpartikel
Die Rolle eines Substantivs im Satz wird durch ein nachgestelltes Wörtchen markiert, nicht durch eine Endung: を markiert das Objekt, und 本を読みました heißt ich habe ein Buch gelesen. Dass die Rolle am Substantiv markiert wird, ist für eine Sprache mit vier Fällen keine neue Idee, nur steht die Markierung hier hinter dem Wort statt darin.
Der schwierige Fall ist ein anderer: は markiert das Thema, が das Subjekt, und diese Unterscheidung gibt es im Deutschen als Endung nicht. Als Stellung gibt es sie sehr wohl. »Das Buch habe ich gelesen« stellt das Buch nach vorn und macht es damit zum Thema, ohne dass sich an den Fällen etwas ändert. Wer dieses Vorfeld bewusst benutzt, hat für は bereits ein Gefühl, und das ist der Teil, an dem englischsprachige Lernende jahrelang arbeiten.
Diese Verwandtschaft hat eine Grenze, und sie ist zu nennen. Das deutsche Vorfeld nimmt genau ein Element auf und ist damit besetzt; die japanische Themenpartikel lässt sich mehrfach setzen und bleibt über mehrere Sätze hinweg in Kraft. Das Gefühl ist also vorhanden, die Reichweite nicht.
Drei Schriften auf einer Fläche
Zwischen japanischen Wörtern steht kein Leerzeichen, und die Grenze wird trotzdem angezeigt: durch den Wechsel der Schrift. drei Schriften in einem Satz, und es sind keine Alternativen, zwischen denen gewählt wird. Kanji tragen den Inhalt, Hiragana das Grammatische darum herum, und Katakana schreibt, was von außen gekommen ist.
Damit leisten die drei Schriften zusammen, was Leerzeichen in einer europäischen Sprache leisten. Für eine deutsche Leserschaft ist das eine vertraute Rechnung von der anderen Seite: Das Deutsche schreibt seine Substantive groß und markiert damit ebenfalls typografisch, welche Art Wort gerade beginnt. Die Silbenschriften stehen unter Hiragana und Katakana, die Zeichen unter Kanji.
Der Satz lässt das meiste weg
Japanisch spart alles ein, was sich aus dem Zusammenhang ergänzen lässt, und das betrifft zuerst das, was ein deutscher Satz zwingend braucht. Wer handelt, an wem gehandelt wird und in welchem Verhältnis die Beteiligten stehen: nichts davon muss im Satz stehen.
Hören ist damit Ergänzen und nicht Entschlüsseln, und der hörbare Teil ist die kleinere Hälfte. Eine deutsche Gewohnheit arbeitet dagegen, denn das Deutsche verlangt ein Subjekt, notfalls ein inhaltsleeres wie in »es regnet«. Wer diese Pflicht mitbringt, setzt Pronomen, die im Japanischen nicht hingehören, und klingt dabei wie ein Protokoll. Wie sich das im Tempo anhört, steht unter Japanisch hören.
Ein gewöhnlicher Wortwechsel
Was gesagt wurde, und alles, was der Satz zum Ergänzen überlässt
Japanisch lässt weg, was sich rekonstruieren lässt, deshalb ist Hören Rekonstruktion statt Entschlüsselung, und der hörbare Teil ist die kleinere Hälfte.
- Das VerbHäufig das einzige Wort, das überhaupt dasteht
- Ein, zwei PartikelnSie markieren, was sich nicht erraten ließ
- Wer es tutWeggelassen, sobald der Zusammenhang es liefert, und das ist meistens
- An wem es getan wirdOft von der Richtung getragen, die im Verb selbst steckt
- Was Sie einander sindVon der Form des Verbs getragen und nicht von einem Wort
- Was vor drei Sätzen gesagt wurdeNoch in Kraft, und liefert weiterhin die fehlenden Teile
Wer übersetzt, was gesagt wurde, hat den Teil oberhalb der Linie übersetzt. Das Verhältnis der beiden Teile ist die ganze Behauptung dieser Zeichnung.
Höflichkeit verschiebt sich im Gespräch
Hier stockt es, und zwar genau bei denen, die den Vorsprung haben. Höflichkeit steckt im Verb, nicht im Ton: 食べる wird zu 食べます, und das ist die höfliche Form. So weit entspricht das Sie und du, und so weit ist es geschenkt.
Der Unterschied liegt darin, dass Sie und du einmal ausgehandelt und danach beibehalten werden, mit einem eigenen Ritual für den Wechsel. Die japanische Form wird bei jedem Satz neu bestimmt, und sie hängt an dreierlei: mit wem gesprochen wird, über wen gesprochen wird, und auf welcher Seite diese Person in diesem Augenblick steht.
Genau das ist Nadine Erkerts Fehler beim Kundentermin. Sie spricht über ihren eigenen Vorgesetzten und wählt die respektvolle Form, weil das im Deutschen die richtige wäre. Im Japanischen gehört der eigene Vorgesetzte gegenüber einem Kunden auf die eigene Seite und wird deshalb bescheiden dargestellt; die respektvolle Form ist für die Gegenseite reserviert. Der Satz ist grammatisch tadellos und sagt das Gegenteil dessen, was gemeint war. Die Stufen im Einzelnen stehen unter Höflichkeitsstufen.
Die Prüfung fängt das nicht auf, denn der JLPT hat keinen Sprechteil und keinen Schreibteil. Wer ihn besteht, hat Lesen und Hören belegt und über die Wahl der Form nichts.
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Kana zuerst, dann alles andere
Die beiden Silbenschriften stehen in einer Woche und sind die Bedingung für alles Weitere, weil jede Umschrift danach mehr schadet als nützt. Danach die Partikeln, weil sie die Fälle vertreten, die eine deutsche Leserschaft ohnehin mitdenkt. Die Kanji laufen daneben und dauern Jahre, und das ist in Ordnung, solange sie nicht als Voraussetzung behandelt werden.
Umgekehrt bricht die Reihenfolge an einer Stelle, die harmlos aussieht. Wer bei den Kanji anfängt und die Partikeln nachtragen will, erkennt Wörter und liest keine Sätze, weil die Grenzen zwischen ihnen von genau den Hiragana angezeigt werden, die übersprungen wurden.
Bleibt die Frage, die vor dem Kundentermin steht und nicht vor der Prüfung: Wem gegenüber wird gesprochen, und über wen. Wer das nicht entscheiden kann, hat kein Vokabelproblem. Verwandtes findet sich im Koreanisch, wo dieselbe Achse anders geschnitten ist, und die Zeichen kommen aus dem Chinesisch, dort allerdings mit Tönen und ohne die zweite Lesung. Wie teuer die übrigen Sprachen vom Deutschen aus sind, steht unter Sprachen, und wie sich Kanji und Wortschatz nebeneinander planen lassen, unter Lernmethoden.