Acht Jahre Schulenglisch hinterlassen einen Wortschatz, der trägt, und vier Regeln, die aus dem Deutschen übernommen worden sind und im Englischen etwas anderes sagen. Sie fallen niemandem auf, weil der Satz trotzdem ankommt.
Sabine Kortmann arbeitet im Vertriebsinnendienst eines Maschinenbauers in Bielefeld und schreibt jede Woche an den Einkauf eines Kunden in Leeds. Ihr Englisch trägt jede Spezifikation, die sie liest. Drei der Sätze weiter unten stammen aus ihren Mails, und jeder davon hat in Leeds etwas anderes ausgelöst als das, was gemeint war.
Was das Schulenglisch geliefert hat, ist beträchtlich und wird selten benannt: der germanische Kernwortschatz, die Artikel, das Verb an zweiter Stelle im Hauptsatz und eine Schrift, die nie geübt werden musste. Niemand fängt hier bei null an. Teuer ist nur, was das Deutsche gar nicht unterscheidet.
Vier Regeln drehen die Bedeutung
Alle vier sind Übertragungen aus dem Deutschen, und alle vier ergeben einen grammatisch tadellosen englischen Satz. Deshalb korrigiert sie niemand.
- must not verbietet etwas, don't have to erlaubt es. »Sie müssen das Formular nicht ausfüllen« heißt You do not have to fill in the form. Wer You must not fill in the form schreibt, hat das Ausfüllen untersagt. Das ist die teuerste der vier Verwechslungen, weil sie in Sicherheitsunterweisungen und in Verträgen steht.
- bis Freitag heißt by Friday, nicht until Friday. by nennt eine Frist, until einen Zeitraum, in dem etwas durchgehend gilt. »Wir brauchen die Zeichnung bis Freitag« ist We need the drawing by Friday. We need the drawing until Friday sagt dagegen, dass die Zeichnung nur bis Freitag gebraucht wird und danach nicht mehr.
- seit drei Jahren heißt for three years, nicht since three years. since nimmt einen Zeitpunkt, for eine Dauer: since 2023 gegen for three years. Das deutsche seit deckt beide Fälle ab, deshalb gibt es hier nichts zu übersetzen, sondern jedes Mal etwas zu entscheiden.
- I saw him yesterday, nicht I have seen him yesterday. Das deutsche Perfekt ist die gesprochene Vergangenheit für alles. Das englische present perfect ist es nicht: Sobald ein abgeschlossener Zeitpunkt im Satz steht, verlangt das Englische das simple past.
Hinter allen vieren steckt dasselbe Muster. Das Deutsche hat an dieser Stelle ein Wort, wo das Englische zwei hat, und die Wahl zwischen den beiden trägt Bedeutung: müssen teilt sich in must und have to, bis in by und until, seit in for und since, und die eine gesprochene deutsche Vergangenheit in simple past und present perfect. Wo eine Sprache trennt, was die andere zusammenlässt, gibt es nichts zu übersetzen, sondern nur zu entscheiden. Entscheidungen lassen sich lernen, Vokabeln helfen dabei nicht.
Zwei Fehler, die nur schriftlich auffallen
Der erste betrifft den Numerus. information hat keinen Plural, some information statt informations. Genauso verhalten sich advice, equipment, software und feedback: Das Deutsche zählt Informationen, das Englische wiegt sie. Wer zwei davon meint, schreibt two pieces of information.
Der zweite ist ein Komma. I think that it works, ohne Komma vor that. Im Deutschen ist das Komma vor dem Nebensatz Pflicht, im Englischen ist es an dieser Stelle ein Fehler, und es steht dann in jedem zweiten Satz einer Mail. Dazu gehört die Formel am Schluss: looking forward to hearing, nicht to hear, weil to hier eine Präposition ist und keinen Infinitiv einleitet. Was sonst noch an einer deutschen Geschäftsmail auffällt, steht unter Englisch schreiben.
Englisch ist sechs Fertigkeiten
Wer angibt, Englisch zu lernen, übt in aller Regel eine davon, und meistens die, die sich allein üben lässt. Lesen und Wortschatz gehen im Zug. Hören, Sprechen und Schreiben brauchen entweder ein Gegenüber oder eine Korrektur, und deshalb bleiben genau sie stehen.
Die Aufteilung in sechs Fertigkeiten ist keine Gliederung, sondern eine Entscheidung darüber, was ein Abend bringt. Eine Stunde Serie mit englischen Untertiteln bewegt das Hören und den Wortschatz und lässt das Sprechen unberührt. Woher die Stunden überhaupt kommen sollen, ist eine eigene Frage und steht unter Lernmethoden; wie teuer die übrigen dreiundzwanzig Sprachen vom Deutschen aus sind, unter Sprachen.
Verhandlungssicher: das Wort aus der Stellenanzeige
Deutsche Stellenanzeigen kennen vier Stufen: Grundkenntnisse, gute Kenntnisse, fließend und verhandlungssicher. Definiert hat diese Leiter niemand. Es gibt keine Norm dahinter, keine Prüfung, die eine der vier vergibt, und keine amtliche Zuordnung zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen, auf die sich zwei Firmen berufen könnten.
Genau hier steht die deutsche Leserschaft still, und zwar an einer Frage, die niemand beantworten kann. Sie lautet nicht, wie gut das eigene Englisch ist. Sie lautet, ob es für eine Zeile reicht, die niemand ausgefüllt hat.
Entschieden wird es ohnehin anderswo: in einem Telefonat von fünfzehn Minuten, auf Englisch, ohne Vorbereitungszeit und mit Zwischenfragen. Wer das einmal hinter sich hat, kann die Zeile selbst ausfüllen; wer es nicht hat, kann es nicht, und daran ändert auch kein Vokabeltrainer etwas. Was in solchen Gesprächen jenseits der Sprache schiefgeht, gehört zu Kommunikation.
Das Zeugnis
Was ein Prüfungsergebnis über Sie belegt hat
Zwei Zeilen wurden unter der Uhr bewertet. Eine ist ein klares Nein, auf zwei hat nie jemand gesehen, und auf dem Zeugnis ist dieser Unterschied nicht zu erkennen.
Von der Prüfung belegt
- Ja250 Wörter in 40 Minuten zu einer unbekannten FrageDie Uhr gehört zu dem, was bewertet wurdeJa
- JaEiner Aufnahme folgen, die kein zweites Mal läuftEinmal, in natürlichem TempoJa
- NeinEine Besprechung, in der drei Leute einander unterbrechenKeine Prüfung hat je eine Unterbrechung bewertetNein
- Nicht geprüftEine Kollegin, die Englisch ebenfalls gelernt hat, folgt IhnenDer halbe Arbeitsalltag, und niemand misst ihnNicht geprüft
- Nicht geprüftDas Ergebnis beschreibt Sie auch nächstes JahrNiemand prüft nach. Stellen nehmen ein altes Zeugnis irgendwann nicht mehr anNicht geprüft
Die Striche sind der ehrliche Teil. Eine Liste aus Haken und Kreuzen legte die letzten beiden Zeilen unter einem von beiden ab und verbärge, dass niemand hingesehen hat.
Was ein Zertifikat wirklich belegt
Ein Ergebnis von Cambridge oder IELTS belegt zwei Dinge zuverlässig, weil beide unter der Uhr bewertet wurden: 250 Wörter in 40 Minuten zu einer Frage, die vorher niemand gesehen hat, und eine Aufnahme, die genau einmal läuft. Das ist mehr, als die meisten dem Papier zutrauen.
Was es nicht belegt, steht daneben: Eine Besprechung, in der drei Leute einander unterbrechen, hat noch keine Prüfung bewertet, und in der Anzeige steht genau die. Welche Prüfung wofür taugt, steht unter Englischprüfungen; wo Sie im Referenzrahmen wirklich stehen, unter Englische Niveaustufen.
Werkzeuge 2026: nachschlagen, korrigieren, hören
Das Cambridge Dictionary im Netz ist kostenlos und ohne Konto zu benutzen, und es kann etwas, das das gedruckte Schulwörterbuch nicht konnte: Es markiert jedes Substantiv als [C] oder [U], zählbar oder nicht. Damit ist die Sache mit information in zwei Sekunden erledigt, statt in einer Mail zu landen.
DeepL Write kommt aus Köln, steht seit 2023 im Netz und hat vielerorts die englischsprachige Person ersetzt, die vorher jede Mail gegengelesen hat. Die kostenlose Stufe reicht für eine Mail. Die Grenze gehört dazu: Es macht den Satz flüssiger, den es bekommt, und until Friday bleibt dabei stehen, weil kein Programm die gemeinte Frist kennen kann.
YouGlish sucht ein Wort in gesprochenen Aufnahmen und spielt die Fundstellen ab, kostenlos und ohne Konto, und es hat die Lautschrift im gedruckten Wörterbuch ersetzt. Der Anlass dafür ist konkret: INdustry und CAtegory werden vorn betont, während Industrie und Kategorie im Deutschen hinten betont werden. Wer die deutsche Betonung mitnimmt, wird am Telefon zweimal gefragt, und systematisch wird das unter Englische Aussprache.
Welcher der zwölf Zweige zuerst
Angefangen wird dabei nicht bei der Wortstellung und nicht bei den Zeitformen als System. Beides ist nach acht Jahren vorhanden. Angefangen wird bei den Stellen, an denen das Deutsche eine Entscheidung verdeckt, und bei einer Gelegenheit pro Woche, bei der jemand zuhört und nachfragt.
Zwölf Zweige hängen hier, mehr als an jedem anderen Thema dieser Säule, und der Einstieg hängt am Zweck statt am Niveau. Wer eine Stelle im Blick hat, geht zu Berufsenglisch. Wer die vier Regeln von oben systematisch nacharbeiten will, findet sie unter Englische Grammatik. Und wer nach dem Englischen eine zweite Sprache anfängt, bekommt Niederländisch zum halben Preis, weil fast alles davon schon bezahlt ist.
Bleibt die Frage, die keine sprachliche mehr ist: Ab wann lohnt ein Zertifikat, das Gebühr und ein Wochenende kostet, gegenüber einem halben Jahr englischer Besprechungen im eigenen Betrieb? Entschieden wird das an der Anzeige, und was dort neben der Sprache verlangt wird, steht unter Karriereplanung.