Die koreanische Schreibung hält das Wort fest und nicht seinen Klang. Wer »Rad« mit d schreibt und mit t spricht, kennt dieses Prinzip bereits aus der eigenen Sprache, und deshalb ist der Einstieg hier billiger, als er in jeder Schwierigkeitsangabe aussieht.
Jana Wolter entwickelt Software in Karlsruhe und war im Frühjahr zwei Wochen in Seoul. Sie hatte Hangul ist entworfen worden, nicht gewachsen als ersten Satz gelernt und konnte nach einem Vormittag jedes Schild laut vorlesen. Wiedererkannt hat sie beim Zuhören fast nichts davon.
Rad und Rat, auf koreanisch
Geschrieben wird der Wortstamm, gesprochen wird, was der Mund daraus macht. 값 wird gap gesprochen, geschrieben mit zwei Schlusskonsonanten, weil der zweite in anderen Formen desselben Wortes wieder hörbar wird. Das ist dieselbe Entscheidung, die im Deutschen »Rad« von »Rat« unterscheidet, obwohl beide gleich klingen.
Weiter geht es an den Grenzen zwischen den Silben und zwischen den Wörtern. 한국말 wird hangungmal gesprochen, weil der Schlusskonsonant vor dem folgenden Nasal selbst nasal wird. Auch das kennt das Deutsche, wo »Handball« im schnellen Sprechen ein m in der Mitte bekommt, ohne dass es jemand so schreiben würde.
Der Vorsprung ist echt und er ist begrenzt: Das Prinzip ist geschenkt, die Regeln sind es nicht. Das Alphabet selbst steht unter Hangul.
Die Regeln darunter kosten ein Jahr
Hier stockt es, und es stockt gerade deshalb, weil der Einstieg so glatt war. Das Deutsche hat zwei oder drei solcher Regeln, und sie greifen am Wortende. Das Koreanische hat ein knappes Dutzend, sie greifen an jeder Silbengrenze, sie greifen über Wortgrenzen hinweg, und sie greifen gleichzeitig.
Das Ergebnis ist Jana Wolters Zustand nach dem Vormittag: Sie liest richtig, und was sie hört, findet zu dem Gelesenen nicht zurück. Ein Wort ist damit zweimal zu lernen, einmal in der Schreibform und einmal in der Form, in der es im Satz tatsächlich klingt.
Wer das Prinzip nach fünf Minuten wiedererkennt, hält die Sache für erledigt und legt sie weg, und das ist der teure Teil dieser Ähnlichkeit. Die Regeln im Einzelnen stehen unter Koreanische Aussprache.
Für Jana Wolter heißt das eine bestimmte Übung und nicht mehr Wortschatz: ein Satz, langsam gehört, mitgeschrieben, wie er klingt, und daneben so, wie er geschrieben wird. Der Abstand zwischen beiden Zeilen ist die Regel, die gerade gegriffen hat, und nach einer Woche wiederholen sich die Abstände.
Der Weg führt zweimal zurück
Deshalb ist das Alphabet keine Stufe, die abgeschlossen wird, sondern eine, zu der zweimal zurückgekehrt wird: einmal wegen der Aussprache und einmal, um zu hören, wo ein Wort aufhört. Dazwischen liegt die Grammatik, die regelmäßig und geduldig ist und keine Ausnahmen in dem Umfang kennt, den eine deutsche Leserschaft aus der eigenen Sprache gewohnt ist.
Nichts daran ist verkehrt herum. So sieht ein Weg aus, wenn die Schrift das Wort bewahrt und die Rede es umbaut. Die Formenlehre dazwischen steht unter Koreanische Grammatik.
Vier Jahrhunderte Wartezeit
Hangul wurde 1443 fertiggestellt und 1446 veröffentlicht, mit einem Dokument, das die Form jedes einzelnen Buchstabens begründet. Danach wurde es von denen, die schrieben, weitgehend übergangen: Amtssprache der Verwaltung wurde es erst 1894, und bis dahin schrieb Korea klassisches Chinesisch.
Diese Lücke ist der Grund für zwei Wortschätze in einer Sprache, einen koreanischen und einen aus dem Chinesischen entlehnten, und damit für die vielen gleich klingenden Wörter. In den 1970er Jahren verschwanden die chinesischen Zeichen aus den Schulen und mit ihnen das Mittel, diese Wörter auf dem Papier auseinanderzuhalten. Beides ist keine Eigenschaft des Alphabets, sondern seiner Geschichte, und beides steht unter Koreanische Vokabeln.
Warum der Wortschatz so aussieht, wie er aussieht
Ein Alphabet, das viereinhalb Jahrhunderte auf seinen Gebrauch wartete
Hangul bestand den größten Teil seines Lebens, ohne die Schrift von irgendetwas Amtlichem zu sein, und diese Lücke hat einen zweiten, entlehnten Wortschatz in die Sprache gesetzt.
- 1443FertiggestelltMit einem Dokument, das die Form jedes Buchstabens begründet
- 1446VeröffentlichtUnd danach von denen, die schrieben, weitgehend übergangen
- 1894AmtlichSchrift der Verwaltung, nach viereinhalb Jahrhunderten klassischem Chinesisch
- die 1970er JahreDie chinesischen Zeichen verlassen die SchulenUnd nehmen mit, was die gleich klingenden Wörter auseinanderhielt
Die Jahreszahlen sind der Grund für die zwei Wortschätze und für die Gleichklänge, und keines von beiden ist überhaupt eine Aussage über das Alphabet.
Zwei Zahlensysteme, beide sofort
Die praktische Folge derselben Geschichte steht im ersten Monat auf dem Tisch. hana, dul, set sind die koreanischen Zahlen, und il, i, sam sind die sinokoreanischen Zahlen. Beide Zahlensysteme sind in Gebrauch, für verschiedene Dinge, und keines der beiden reicht allein.
Am deutlichsten wird es an der Uhrzeit: zwei Uhr dreißig nimmt beide Zahlensysteme, die koreanischen Zahlen für die Stunde und die sinokoreanischen für die Minuten. Eine deutsche Leserschaft hat dafür kein Vorbild, denn das Deutsche zählt alles mit denselben Wörtern. Zu lernen sind also zwei Reihen und dazu die Zuordnung, welche wofür gilt.
Ähnlich verhält es sich mit der Höflichkeit, nur ist sie hier vorbereitet: -요 macht den Satz höflich, und das ist eine Endung am Verb statt eines eigenen Pronomens. Wer Sie und du auseinanderhält, hat die Achse; wie viele Stufen darauf liegen, steht unter Sprachebenen.
Umgekehrt bricht die Reihenfolge hier auf eine Art, die zu Beginn attraktiv aussieht. Wer mit der Umschrift in lateinischen Buchstaben anfängt, um schneller sprechen zu können, lernt Wörter in einer Form, die weder der Schreibung noch der Aussprache entspricht, und trägt beide später einzeln nach. Der Vormittag für das Alphabet ist billiger als jede Woche, die damit gespart werden soll.
Werkzeuge 2026: alle auf Englisch
Das Naver-Wörterbuch ist kostenlos, ohne Konto, und es liefert zu fast jedem Eintrag echte Beispielsätze samt Aussprache. Abgelöst hat es das gedruckte zweisprachige Wörterbuch vollständig. Die starke Sprachrichtung ist Koreanisch-Englisch.
Talk To Me In Korean stellt einen vollständigen Kurs kostenlos ins Netz, mit Büchern und Kursen als Bezahlangebot daneben, und hat für viele den Sprachkurs im ersten Jahr ersetzt. How to Study Korean daneben ist kostenlos und ohne Bezahlstufe und geht von der Grammatik aus, was für eine Leserschaft mit deutschem Grammatikunterricht die passendere Reihenfolge ist.
Alle drei Werkzeuge sind englischsprachig, und ein deutschsprachiges Angebot dieser Vollständigkeit gibt es für Koreanisch nicht. Das ist hier ausnahmsweise kein Mangel: Wer acht Jahre Schulenglisch hinter sich hat, liest eine englische Grammatikerklärung ohne Verlust, und das gilt für diese Sprache mehr als für jede andere in dieser Säule. Die Prüfung, das TOPIK, wird auch in Deutschland abgenommen.
Der Vormittag, und was danach kommt
Der Vormittag für das Alphabet ist echt und er ist der kleinste Teil. Danach kommt nicht die Grammatik, sondern die Rückkehr zu denselben Buchstaben mit der Frage, was aus ihnen im Satz wird, und diese Rückkehr steht in kaum einem Kursplan. Wer sie überspringt, liest ein Jahr lang gut und hört ein Jahr lang nichts.
Bleibt die Frage nach der Nachbarschaft, denn der Satzbau wandert und der Wortschatz nicht. Japanisch stellt das Verb an dieselbe Stelle und trägt die Höflichkeit ebenfalls im Verb, mit anderem Zuschnitt. Aus dem Chinesisch stammt der entlehnte halbe Wortschatz, allerdings ohne die Zeichen, die ihn im Koreanischen einmal sortiert haben. Wie teuer die übrigen Sprachen vom Deutschen aus sind, steht unter Sprachen, und wie sich ein Wort in zwei Formen gleichzeitig einüben lässt, unter Lernmethoden.